Ohne mein Leben gäbe es meine Romane nicht.
Und ohne das Schreiben gäbe es mich nicht.

Seeblick
 

Fragen und Antworten

„Jede Minute will gelebt sein“

Valerie Bielens Leben hat viele Fassetten: Mutter von vier Kindern, Managerin, Unternehmerin, globale Nomadin, Schriftstellerin. Hier ein paar oft gestellte Fragen:

Wie schaffen Sie es eine Karriere und vier Kinder zu haben und trotzdem Zeit zum Schreiben zu finden?

Ich denke wir wachsen an unseren Aufgaben und solange wir uns von der Menge oder Größe der Dinge nicht einschüchtern lassen, können wir wesentlich mehr als wir selbst für möglich halten. Wenn wir aber schon von vornherein denken, dass das alles nicht machbar ist oder eine Qual wäre, dann wird es genauso sein.

Ich nehme keine meiner Tätigkeiten als echte Arbeit wahr, sondern als meine Möglichkeit mich zu verwirklichen und einzubringen - ob als Managerin, als Schriftstellerin oder natürlich auch als Mutter. Eine solche Einstellung hilft dabei, sich nie gestresst zu fühlen, sondern Dankbarkeit und Freude zu empfinden, dass man an drei so unterschiedliche Lebensfreuden teilnehmen darf.

Aber natürlich ist das auch nur machbar, weil ich auf die grosse Unterstützung meiner Familie zählen kann: Meiner Kinder, meiner Mutter und meines Stiefvaters und natürlich die meines Mannes.

Was hat Sie zu „Nur mit deinen Augen“ inspiriert?

Als ich mit siebzehn zu meinem ersten venezianischen Ball ging, begrüßte mich im Eingang ein junger Mann in einem schwarzen Cape und Smoking, der wunderschön war, aber gleichzeitig die traurigsten Augen hatte, die mir je begegnet sind. Diese Augen sind mir nie wieder aus dem Sinn gegangen und ich habe jahrelang versucht mir vorzustellen, was dieser Mann erlebt haben könnte und was zu dieser Trauer geführt hatte. Schlussendlich habe ich das Motiv dann sogar noch ausgebaut, indem der Protagonist blind ist, aber die Trauer an sich war das Grundmotiv, das mich geleitet hat.

Warum schreiben Sie?

Ich schreibe, weil ich schreiben muss. Eine gute amerikanische Freundin hat mir einmal gesagt, dass Schriftsteller nicht anders können, als Bücher zu schreiben und ich glaube, sie hat recht, wenn sie das sagt. Ich kann das Verlangen zu Schreiben oft über längere Phasen unterdrücken, wenn zum Beispiel in der Arbeit viel los ist oder wenn die Kinder mich brauchen, aber plötzlich und ein wenig wie aus heiterem Himmel, muss ich auf einmal mit einem Buchprojekt anfangen und dann geht es sehr schnell, bis ich so gefangen bin, dass ich nicht mehr aufhören kann.

Wie gehen Sie beim Schreiben vor? Stellen Sie an den Anfang einen detaillierten Handlungsablauf?

Jein. Natürlich habe ich das auch schon getan, aber ich genieße eine solch genaue Planung beim Schreiben nicht wirklich. Als Managerin muss ich alles genau planen, aber als Schriftstellerin möchte ich mich treiben lassen. Ich möchte die gleiche Spannung spüren, die der Leser spürt und möchte mich überraschen lassen. Wenn ich von Anfang an das Ende im Detail kenne, verliert das Buch für mich seine magnetische Anziehungskraft und ich komme wesentlich langsamer voran. Ich vertraue darauf, dass sich am Ende alle Handlungsfäden vereinen werden. Hierzu kann ich eine sehr gute Ted Rede von Elizabeth Gilbert, der Autorin von Eat Pray Love, empfehlen, die mir aus dem Herzen spricht, wenn sie erklärt, weshalb man auf seine Kreativität vertrauen kann.

Elizabeth Gilbert: Your elusive creative genius (youtube)

Wie viele Bücher haben Sie schon geschrieben aber noch nicht veröffentlicht?

Ich schreibe seit ich zwölf bin und habe mein erstes Buch, einen 600-Seiten-Roman, mit vierzehn beendet. Wenn Sie nun berücksichtigen, dass ich jetzt 43 bin, waren das viele Jahre in denen ich an Büchern gearbeitet habe. Man kann nicht genau sagen, wie viele dieser Bücher fertig sind und in ihrem jetzigen Format veröffentlicht werden könnten oder ob ich sie je veröffentlichen möchte. Was ich aber mit Sicherheit sagen kann, ist, dass ich gerade an einem sehr spannenden neuen Roman arbeite, der nächstes Jahr erscheinen wird. Was danach kommt? Schau'n mer mal!, wie Franz Beckenbauer sagen würde.